Der ADBW-Vorstand startet mit seiner großen Strategiesitzung ins neue Jahr

Am 10. Januar kamen die Mitglieder des Vorstands und eine Reihe von Gästen zur traditionellen Strategiesitzung in Stuttgart zusammen. Am Beginn des neuen Jahres wird in dieser ganztägigen Veranstaltung der kurze Rückblick auf das Erreichte verbunden mit einer vertieften Diskussion der aktuellen Herausforderungen und der notwendigen Maßnahmen und Aktionen seitens der ADBW. Der Vorsitzende Prof. Ralf Lobmann betonte in seiner Begrüßung, wie wichtig dabei die Sichtweisen, Meinungen und Empfehlungen der Partner und Gäste sind, aus denen sich dann ein umfassenderes Bild der heutigen Diabetologie in Baden-Württemberg ergibt. In diesem Jahr waren die neue DDG-Präsidentin, die Vorstände von Landesärztekammer und Landesapothekerkammer, der neue Chef der Diabetesklinik Mergentheim und natürlich Vertreter der Selbsthilfe Diabetiker BaWü mit dabei. Mit einer Gedenkminute würdigten alle Teilnehmer den Vorsitzenden der Diabetesgenossenschaft Dr. Richard Daikeler, der bei einem Unfall ums Leben gekommen ist.
2025 war ein erfolgreiches Jahr, die Herausforderungen bleiben
In seinem Jahresrückblick auf 2025 hob Prof. Lobmann die Jahrestagung in Ettlingen besonders hervor. Unter der Leitung der Kongresspräsidenten Dr. Lawall und Dr. Flohr konnte sich im wunderschönen Ambiente des Ettlinger Schlosses ein sehr gehaltvolles und rundes Programm entfalten, das alle Teilnehmer begeistert hat. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass es trotz kostenfreier Teilnahme für Mitglieder zunehmend schwieriger wird, gerade junge Diabetologen für eine Präsenzveranstaltung am Wochenende zu begeistern. Die Umfrage des Vorstands zum Kongress hatte einen Rücklauf von 7% der Mitglieder und zeigte ein uneinheitliches Meinungsbild. Der Termin im Juli erscheint einigen als ungünstig (wobei Frühling und Herbst mit vielen anderen Veranstaltungen belegt sind), ausreichend Zeit für Diskussionen und Workshop-Formate werden gewünscht sowie Themen, in denen sich die aktuelle Diabetologie widerspiegelt. Der Vorstand kam im letzten Jahr zu sechs Sitzungen zusammen, um die Arbeit der ADBW zu organisieren, zudem im Rahmen der Jahrestagung und zur Vorbereitung des Weltdiabetestages. Die öffentliche Veranstaltung zum WDT in Stuttgart, wie immer gemeinsam mit Diabetiker BaWü, bot ein vielfältiges Programm mit tollen Vorträgen, aber auch hier hätte man sich mehr Besucher gewünscht, um die Öffentlichkeit für die Notwendigkeiten der Diabetesversorgung zu sensibilisieren. Flankiert wurde der Tag mit Artikeln in verschiedenen Medien und einer Telefonaktion, bei der Experten Rede und Antwort standen. Die ADBW zählt nach wie vor zu den aktivsten Regionalgesellschaften der DDG und arbeitet seit Jahren intensiv im Fachbeirat Diabetes in Baden-Württemberg mit. Auch wenn die Kooperation dort gelegentlich schleppend verläuft und die Kassen sich zurückgezogen haben, so ist doch enorm wichtig, die Diabetesversorgung im Rahmen der gesamten Gesundheitsplanung im Bundesland kompetent zu vertreten. Das betonte Prof. Holl, der sich sehr engagiert im Fachbeirat Diabetes einbringt.
Die Kommunikation der ADBW mit ihren Mitgliedern hat sich positiv entwickelt, Newsletter und Webseite werden gut genutzt. Die Einladung geht an alle Mitglieder und verwandte Organisationen, diese Kommunikationskanäle auch für ihre Themen zu nutzen.
Dr. Bergis stellt Schwerpunkte der Diabetesklinik Bad Mergentheim vor
Im vergangenen Jahr hat Dr. Dominik Bergis die Leitung der gesamten Diabetesklinik übernommen, nach dem er zuvor schon einen Teilbereich verantwortet hatte. Die Klinik war von seinem Vater 1983 gegründet und später über viele Jahre von Prof. Thomas Haak geführt worden. Mit rund 4.000 stationären Patienten im Jahr gehört sie zu den großen Einrichtungen und verbindet unter ihrem Dach vielfältige Angebote, so etwa für Typ-1-Patienten, Kinder und Jugendliche oder Pumpenträger. Dazu gehören ambulante Diabetespraxen unter dem Namen Diamedicum an vier Standorten, die Akademie mit 3.500 Teilnehmern in 40 Fortbildungen, die zunehmend digital organisiert sind, das FIDAM für Forschung und Entwicklung von Schulungsprogrammen sowie das iDiaZ als IT-Dienstleister für die eigenen Häuser und ebenso für andere Kliniken und Praxen. Mergentheim ist auch der ärztlichen Weiterbildung verpflichtet, für Fachärzte der Inneren Medizin, Endokrinologie und Diabetes. Ganz aktuell hat Dr. Nina Bergis die Leitung des MVZ in Mergentheim übernommen.
Die neue DDG-Präsidentin zieht positive Bilanz und benennt die Herausforderungen
Prof. Julia Szendrödi, ärztliche Direktorin am Universitätsklinikum Heidelberg, wurde im vergangenen Mai für eine zweijährige Amtszeit zur neuen DDG-Präsidentin gewählt. In ihrem Bericht betonte sie den kompetenten Ausbau der Diabetes-Edukation mit einem breiten Spektrum an Veranstaltungen, die bekanntesten sind hier natürlich die beiden großen DDG-Tagungen im Frühjahr und im Herbst. Wichtig ist auch, dass immer mehr interdisziplinäre Projekte mit anderen Fachgesellschaften entstanden sind. Seit 15 Jahren arbeitet die DDG in der Deutschen Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten DANK an einer deutlichen Verbesserung der Prävention. Die Aktion „Kenne dein Risiko“ ist hier die jüngste Initiative, auch der jährliche Gesundheitsbericht Diabetes hat herausragende Bedeutung, er fasst stets aktuell die Situation der Diabetesversorgung in Deutschland für die Politik und alle Verantwortlichen im Gesundheitswesen zusammen und formuliert die zentralen Forderungen. Die neueste Ausgabe „Deutscher Gesundheitsbericht 2026“ liegt vor, das pdf finden Sie direkt hier. Für die Diabetologie im engeren Sinn sind die Leitlinienprojekte sowie die Versorgungsforschung von größter Bedeutung, ebenso die nötigen Schritte zu einer abgestimmten Digitalisierung der Medizin, etwa die elektronische Diabetesakte. Die Sicherung der Diabetesversorgung ist zentrales Anliegen der DDG, es gibt eine Verschiebung in den ambulanten Bereich, eine gute Umsetzung wird jedoch häufig durch strukturelle Probleme und Unterfinanzierung erschwert.
Der Bericht aus den Unikliniken zeigt Risiken und auch Chancen
Bei der diesjährigen Strategiesitzung war die Diabetologie an den Universitätskliniken in Heidelberg / Mannheim, Ulm und Freiburg vertreten, Tübingen konnte nicht dabei sein. Forschung, Lehre und Versorgung, das sind die drei Aufgabenbereiche dieser Kliniken, die jeweiligen Schwerpunkte und Umfänge sind dabei unterschiedlich ausgeprägt. BaWü hat bis jetzt den Vorteil, dass endokrinologische Ausbildungsstätten an allen Standorten vorhanden sind, jedoch gibt es immer wieder Begehrlichkeiten, Betten, Budgets und Stellen zu kürzen. Die Klinikleitungen setzen auf Bereiche, die im aktuellen System mehr Vergütung versprechen, die Diabetologie droht dabei an den Rand gedrängt zu werden. An der Zahl der Betten hängt auch die Zahl der Plätze für Fort- und Weiterbildung, dieser wichtige Zukunftsbereich steht arg unter Druck. Prof. Heni aus Ulm beklagt, dass der Durchschnittsstudent der Medizin nur 2 bis 3 Stunden klinische Diabetologie erlebt. Viel zu wenig, um die moderne Diabetologie zu verstehen und Begeisterung für dieses Fach zu wecken. Im Rahmen der AG Nachwuchs in der DDG soll ein Kompaktseminar die Diabetologie in der Lehre stärker verankern. Prof. Seufert aus Freiburg berichtet vom aktuellen Forschungsprojekt Psychiatrie und GLP 1, eine translationale Studie zur pharmakoinduzierten Adipositas, damit wird auch das Ziel der Vernetzung in Forschung und Lehre vorangetrieben. Mit 18.000 Patienten in der Hochschulambulanz ist der Druck auf den Bereich der Diabetesversorgung in Freiburg sehr hoch, weil es im Umland wenig ambulante Endokrinologen und Diabetologen gibt. Gut ist, dass für die Versorgung mehr Diabetesberaterinnen zur Verfügung stehen. Seit November gibt es am Klinikum das neue Comprehensive Obesity Center. Neu gegründet wurde ein Adipositas-Board, um komplexe Fälle zu besprechen, Kickoff ist der Weltadipositastag am 14. März. Prof. Szendrödi berichtet, dass in Heidelberg die Forschung u.a. auf die Weiterentwicklung der Stoffwechselmessungen eingeht, in der Versorgung bildet das Wundzentrum einen Schwerpunkt, ebenso Neurologie und Adipositas. Gemeinsam mit dem Zentrum Bad Oeynhausen erfolgt der Ausbau digitaler Strukturen und die Implementierung in die Versorgung. Die Lehre entwickelt sich aktuell gut und es gibt keine Nachwuchsprobleme.
Wo steht die Gesundheitsreform und welche Auswirkungen bringt sie mit sich?
Bei diesem Punkt konnten Dr. Jürgen de Laporte als Präsident der Ärztekammer Nordwürttemberg und Dr. Björn Schittenhelm als Vorstandsmitglied der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg ihre Kenntnisse und Erfahrungen einbringen und die Sicht der Diabetologie ergänzen. Die Reform will eine Ambulantisierung fördern, aber dies wird weder in den Strukturen noch in der Vergütung ausreichend abgebildet. Entgegen dieser Absicht kommt es so durch eine Unterversorgung im ambulanten Bereich zu häufigeren Zuweisungen und längeren Liegezeiten in den Kliniken. Die Politik will auch die Weiterbildung stärker im ambulanten Bereich ansiedeln, ohne die Kosten zu decken. Prof. Lobmann weist darauf hin, dass diese Unterdeckung leider auch in der Klinik besteht. Insgesamt läuft es im Rahmen der europäischen Harmonisierung wohl auch auf eine Verkürzung der Weiterbildungsdauer hinaus. Und das obwohl die Komplexität von Diagnostik und Therapie eher eine Verlängerung der Weiterbildungszeit verlangt. Die Ärztekammer sieht mit Besorgnis, dass die Arzneimittelkosten seit 2020 die Aufwendungen für ärztliche Leistungen übersteigen. Zusätzlich weisen die Apotheker darauf hin, dass innerhalb der Arzneimittel eine kleine Gruppe von Medikamenten für den größten Kostenblock steht, während andere Wirkstoffe, wie Metformin, bei den Kosten praktisch gar nicht mehr ins Gewicht fallen. Dr. Schittenhelm hat dies hier im Newsletter schon mehrfach erläutert. Die „Abnehmspritze“ ist bislang noch kein GKV-Problem, da sie als Selbstzahlerleistung deklariert ist. Von allen Beteiligten wird betont, dass es für eine bessere Wirtschaftlichkeit mehr Vernetzung und weniger Doppelstrukturen braucht. Abschließend appelliert die Runde an alle für die Versorgung Verantwortlichen Probleme mit und durch die Gesundheitsreform weiterzuleiten, an ADBW, DDG, Fachbereiche und Ärztekammern, damit diese in Verhandlungen wirksam aufgegriffen werden können.
Die Selbsthilfe DBW plant vielfältige Aktionen in 2026
Die Vorsitzende der Diabetiker Baden-Württemberg, Helen Klein und ihr Vorstandskollege Eric Bayerschen berichteten aus der Selbsthilfe der Betroffenen. Die DBW sind ein fester und zentraler Partner der ADBW und viele Aktionen werden gemeinsam geplant und durchgeführt. Die Zahl der Mitglieder liegt bei rund 4.000, immer schwieriger wird es jedoch, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren und dauerhafte Aufgaben übernehmen wollen. Deshalb soll auch das System der Bezirksgruppen und Delegierten reformiert werden und der Verein in direkteren Kontakt mit seinen Mitgliedern treten. Für das kommende Jahr sind viele Aktionen geplant, besonders für Kinder und Jugendliche sowie auf den sozialen Medien. Ein wichtiges Projekt wird eine Imagekampagne zur Lage der Diabetologie sein, die auf der DDG-Frühjahrstagung vorgestellt werden soll. Filmbeiträge sollen anschaulich die Lage der Diabetologie vermitteln, also die Situation der ambulanten und stationären Diabetologie, Kostendruck, demographische Entwicklung und Forderungen für die Zukunft. Sehr kurze Clips sollen Aufmerksamkeit erregen und zu längeren Videos mit Interviews und Diskussionen hinführen. Denkbar ist auch, die Aktion in eine Petition weiterzuleiten. Für den Weltdiabetestag wünscht sich die Selbsthilfe wieder gemeinsame Aktionen mit der ADBW und vielleicht zusätzlich anderen Organisationen.
Zum Abschluss dankte der ADBW-Vorsitzende Prof. Lobmann allen Teilnehmern für eine gehaltvolle Strategietagung, die auch den Zusammenhalt zwischen den einzelnen Organisationen gestärkt hat.
Einen kleinen Einblick in die Strategietagung finden Sie in unserer Fotogalerie.
News im Überblick
ADBW Newsletter
Möchten Sie den monatlichen ADBW-Newsletter erhalten?
Immer aktuell und zeitnah:
- Die wichtigsten Diabetes-News aus Politik, Medizin und Gesundheit
- Spannende Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet
- Ideen und Impulse zum Thema Diabetes
- Alle Termine der ADBW
- Und natürlich auch alles andere rund um die ADBW
Dann werden Sie Mitglied bei der ADBW!

















































































































































































