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Diabetologie als Beruf(ung)

Die ADBW-Jahrestagung ist eine wichtige Gelegenheit, junge Ärztinnen und Ärzte für die Diabetologie zu begeistern. Der Workshop „Diabetologie als Beruf(ung)“ sollte Interessierten eine Orientierung zu den Möglichkeiten und Anforderungen in Klinik und Praxis geben. Trotz einiger Verwirrung bei der Anmeldung konnte der Workshop mit einer kleinen Gruppe und intensivem Austausch stattfinden. Der Referent Dr. Bernhard Lippmann-Grob berichtet nachfolgend, was junge Menschen bei ihrer Entscheidung für (oder gegen) die Diabetologie bewegt.

Das Thema „Diabetologie als Beruf(ung)“ richtete sich an Teilnehmer der ADBW-Jahrestagung, deren berufliche Orientierung für die Diabetologie noch nicht definitiv feststand (z.B. Studenten).  Deshalb erschien es auch sinnvoll, dieses Thema parallel zur Mitgliederversammlung anzubieten, weil die Veranstalter davon ausgehen durften, dass die Zielgruppe für diesen Workshop noch nicht Mitglied in der ADBW sei und man ihr damit eine interessante Alternative zur Mitgliederversammlung anbieten könne.

Für den Workshop waren 3 Impulsreferate geplant; Inhalte sollten die jeweils spezifischen Aspekte der stationären und ambulanten Diabetologie sowie die der Diabetesberatung darstellen. Den Vorsitz des Workshops sollte der Autor dieses Beitrages übernehmen. Offensichtlich hatten jedoch keine Studenten ihre Teilnahme für den Jahreskongress angemeldet; bis Freitagabend waren auch keine anderen Anmeldungen für diesen Workshop eingegangen, so dass am Freitag vor dem Abendessen klar war, dass er ausfallen würde.

Nach dem Frühstückssymposium zum Thema Insulinpumpe am Samstagmorgen wurde ich jedoch wenige Minuten (vor dem seit dem Vorabend nicht mehr vorgesehenen Beginn) gebeten, ob ich den Workshop doch halten könne, weil sich 6 oder 8 Teilnehmer eingefunden hätten, die das Thema interessierte. Leider waren die Referenten für die Impulsvorträge aufgrund der Umplanung nicht greifbar, so dass ich kurzfristig diesen Workshop alleine gestalten musste (sollte mir aber mit in zwei Abschnitten insgesamt 25 Jahren klinischer und dazwischen 12 Jahren ambulanter diabetologischer Tätigkeit ja möglich sein). Nach kurzer Überlegung habe ich mir eine in den Räumen vorhandene Pinnwand genommen und mit den Teilnehmern Begriffe gesammelt, die sie mit dem Bereich Niederlassung oder klinische Tätigkeit assoziierten und dann mit Ihnen die Inhalte dieser Begriffe diskutiert.

Mit dem niedergelassenen Bereich wurde assoziiert, dass Patienten langfristig betreut werden können, dass es auch auf Seiten des Behandlers aus diesem Grund eine deutlich bessere Kenntnis des familiären und beruflichen Umfeldes des einzelnen Patienten gibt, und dass die Patienten fitter sind als im Rahmen einer klinischen Betreuung. Vielleicht kann dadurch die Therapie besser auf die jeweiligen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten abgestimmt werden. Die Diskutierenden glaubten, dass eine freiere Verordnung von Medikamenten im Vergleich zu klinischen Medikamentenlisten möglich sei; das Vorhandensein von KV-Regularien auch für die Weiterverordnung durch die zuweisenden Hausärzte wurde ihnen im Verlauf der Diskussion jedoch bewusst. In der Vergangenheit auftretende Unzulänglichkeiten der Insulinanpassung (durch fehlende oder manipulierte Blutzuckerwerte) können heute in manchen Fällen durch die Verwendung von kontinuierlicher Glukosemessung aufgefangen werden, jedoch zeigen sich auch hier immer wieder durchaus relevante Defizite an Daten durch mangelhafte Mitarbeit der Betroffenen. Als tatsächliche „Hypothek“ (im wirtschaftlichen Sinne) wurde gesehen, dass mit dem Erlös aus der Praxis bei nach wie vor fehlender vertraglicher Regelung für Schwerpunktpraxen in Baden-Württemberg ein „Return of Investment“ für die Praxisgründung (oder die Kosten der Übernahme) geschafft werden muss. Das könnte bei allerdings eingeschränkter Selbständigkeit durch die Anstellung in einem MVZ umgangen werden.

Mit dem klinischen Bereich wurde aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den verschiedenen Kliniken, die den Teilnehmern durchaus bewusst sind, assoziiert, dass der diabetologische Bereich immer kleiner wird. Leider werden dadurch die Aufgaben nicht weniger, sondern der Aufgabenbereich wird in andere Felder erweitert, sodass die diabetologische Tätigkeit im Rahmen des stationären Umfeldes einen immer kleineren Stellenwert einnimmt. Andererseits ist die Betreuung von Menschen mit Diabetes im stationären Setting intensiver, weil sie über 24 Stunden betreut werden können und die erforderlichen Therapieschritte gezielter durchgeführt werden können; leider aber wird die Notwendigkeit einer adäquaten Betreuung und Schulung (Wichtigkeit der Schulung/Beratung!) nicht gesehen. Die adäquate Kodierung von Diabetesdiagnosen ist für die ärztlichen Kollegen aufgrund der mangelnden Kenntnisse der Feinheiten der Kodierung oft nur schwer nachvollziehbar, die Kenntnisse sind allerdings auch bei den Kodierfachkräften im Allgemeinkrankenhaus oft nicht vorhanden, weil in den meisten (Standard-)Fällen ein Diabetes mellitus (typunabhängig) nur als Nebendiagnose im Rahmen eines stationären Aufenthaltes kodiert werden muss. Durch diese Tatsachen ist die Erlössituation in der Diabetologie deutlich erschwert; bei mangelndem Erlös wird die diabetologische Tätigkeit häufig als disponibel angesehen und dadurch sehr viel abhängiger von den politischen Rahmenbedingungen des Klinikträgers, der meist vor Ort durch die Person des Geschäftsführers repräsentiert wird. Wenn auf dieser Ebene die Wahrnehmung für die Notwendigkeit einer diabetologischen Versorgung der stationär einliegenden Patienten nur unzureichend entwickelt ist, wird für den Diabetologen der sonst als sicher empfundene stationäre Arbeitsplatz deutlich unsicherer.

Die Diskussionen um die verschiedenen Punkte waren trotz der kleinen Gruppe sehr intensiv und es wurde klar, dass sehr viele individuelle Faktoren darüber entscheiden, ob jemand seine berufliche Zukunft eher im Bereich der Niederlassung (Praxis oder MVZ) oder im Bereich der stationären Versorgung von Menschen mit Diabetes sehen wird; herausfordernd ist sie in der aktuellen Situation allemal.

Die Rückmeldungen zeigten, dass der Gruppe zu diesem spannenden und herausfordernden Thema ein guter Improvisationsworkshop gelungen ist.

Dr. Bernhard Lippmann-Grob

 

Video-Interview Krankenhaushygiene

Dr. Bernhard Lippmann-Grob spricht in diesem Video, das wir bei der Jahrestagung in Bad Boll aufgenommen haben, über das Thema Krankenhaushygiene.

Video: Dr. Lippmann-Grob zu Krankenhaushygiene

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