ADBW Jahreskongress 2026 | Stuttgart
Rückblick

ADBW-Kongress 2026 in Stuttgart begeistert über 100 Teilnehmer
Die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Diabetologie Baden-Württemberg e.V. fand in diesem Jahr am 10./11. Juli im GENO-Haus in Stuttgart statt. Tagungspräsidentin Dr. Barbara Klarl und ADBW-Vorsitzender Prof. Ralf Lobmann konnten nach zwei intensiven Tagen gemeinsam das positive Fazit ziehen, dass die Bandbreite und Qualität der wissenschaftlichen Beiträge hervorragend waren und viele Fragen und Diskussionen inspiriert haben. Das GENO-Haus bot gerade auch bei den sehr warmen Außentemperaturen einen angenehmen Rahmen für Besucher und Aussteller und die perfekte Organisation machte es sehr leicht, die Tagung zu genießen. In diesem Newsletter geben wir einen kurzen Rückblick zum Kongress und die Bildergalerie zeigt Impressionen der beiden Tage. Einzelne Themen und Vorträge stellen wir dann in den nächsten Ausgaben vor. Und falls Sie noch einmal einen Blick ins Programm werfen möchten, dann finden Sie hier das pdf.
Einstieg in die Tagung mit der Behandlung der Adipositas
Nach der kurzen Eröffnung des Kongresses durch die Tagungspräsidentin Dr. Barbara Klarl, die DDG-Präsidentin Prof. Szendrödi und den ADBW-Vorsitzenden Prof. Lobmann stand ein sprichwörtlich gewichtiges Thema im Fokus, die Behandlung der Adipositas. Unter dem Vorsitz von Dr. Stefan Gölz stellte Dr. Tobias Meile, Adipositaspraxis Reutlingen, zunächst die Möglichkeiten der ambulanten bariatrischen Operationen vor, die Erfahrungen und Studiendaten stammen vor allem aus den benachbarten Niederlanden, mit der Operation direkt frühmorgens und Entlassung am gleichen Tag. Dr. Emre Tanay vom Klinikum Stuttgart präsentierte dann Daten zu stationären bariatrischen Operationen, die in Deutschland der über die GKV abrechenbare Standard sind. Er wies auch darauf hin, dass die bariatrischen Operationen im Vergleich zur medikamentösen Adipositas-Therapie dauerhaft positivere Ergebnisse zeigen. Birgit Bäurle vom Ernährungsteam des Klinikum Stuttgart plädierte dafür, dass jede Adipositasbehandlung von einer guten Ernährungsberatung flankiert wird, die auch Bewegung und gezielten Muskelaufbau mit einschließt. Gerade in der Anfangszeit nach OP stellt die empfohlene Eiweißaufnahme eine echte Herausforderung für die Patienten dar, wichtig ist auch die lebenslange Supplementierung von Mikronährstoffen. Zum Abschluss gab Prof. Jochen Seufert vom Uniklinikum Freiburg einen Überblick über die mittlerweile vielfältigen medikamentösen Möglichkeiten der Gewichtsreduktion. Die Daten neuer Wirkstoffe, die sich aktuell in der Zulassung befinden, zeigen dabei Gewichtsreduktionen in einer Größenordnung, die bislang nicht vorstellbar war.

v.l.n.r. Dr. Gölz, Frau Bäurle, Dr. Meile, Dr. Tanay, Prof. Seufert
Weiterbildung in der Diabetologie braucht klare Strukturen und ausreichende Vergütung
Die Qualität der zukünftigen Diabetesversorgung hängt ganz entscheidend davon ab, wie Diabetologen, Diabetesberaterinnen und andere Assistenzberufe heute fort- und weitergebildet werden. Und bei dieser wichtigen Aufgabe sehen die Teilnehmer der zweiten wissenschaftlichen Session dieser Jahrestagung unter Leitung von Prof. Lobmann gelinde gesagt große Probleme und Herausforderungen, auch im Hinblick auf aktuell über 9 Millionen Menschen mit Diabetes und 430.000 Neuerkrankungen pro Jahr. DDG-Präsidentin Prof. Julia Szendrödi arbeitet als ärztliche Direktorin am Universitätsklinikum Heidelberg und berichtete, dass auch die einstmals scheinbar heile Welt der Universitätsmedizin unter großem Druck steht. Willkürliche Stellenstreichungen, das Zusammenlegen von Abteilungen oder die Forderung, Weiterbildungsstellen eigenständig über Drittmittel zu finanzieren. Dr. Bernhard Zweigle ist niedergelassener Diabetologe, für ihn und seine Kollegen ist es eine große finanzielle Belastung, dass Weiterbildungsassistenten einerseits vom Praxisinhaber voll bezahlt werden müssen, andererseits aber viele Leistungen (noch) nicht abrechnen dürfen. Er plädierte nachdrücklich für eine sektorenübergreifende Strukturierung der Weiterbildung, die dann auch auskömmlich bezahlt werden muss. Alexandra Bartl hat bei VDBD und DDG an der Weiterentwicklung der Diabetesedukation mitgearbeitet und dabei auch die neue Qualifikation Diabetescoach*in DDG für erfahrene Diabetesberaterinnen definiert. Sie appellierte auch an alle Kongressbesucher, die neuen Weiterbildungsangebote zur Adipositas aktiv zu nutzen. Prof. Seufert vom Universitätsklinikum Freiburg konnte von einer insgesamt etwas entspannteren Weiterbildungs-Situation im Breisgau berichten. Wie lange dies so bleibt, das kann allerdings niemand sagen oder garantieren. Im März wurde dort das Comprehensive Obesity Center eröffnet mit gemeinsamen Therapieentscheidungen im interdisziplinären Board. Aus seiner Sicht ist die Gewichtsreduktion Teil der Diabetologie und das wird sich auf die Weiterbildung auswirken.

v.l.n.r. Prof. Szendrödi, Dr. Zweigle, Frau Bartl, Prof. Seufert
Stuttgarter Medizingeschichte am Beispiel des Robert-Bosch-Krankenhauses
Den Schlusspunkt des ersten Tages setzte Dr. Marion Baschin vom Institut für Geschichte der Medizin. Sie skizzierte die Entstehung und Entwicklung der Krankenhäuser in Stuttgart insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert. Ihr Fokus lag beim Robert-Bosch-Krankenhaus, wo auf persönlichen Wunsch des Gründers Robert Bosch auch komplementäre Behandlungsverfahren ihren Platz hatten, allerdings im Laufe der Zeit in sehr verschiedener Art und Weise. Anzahl, Größe und Schwerpunkte der Kliniken in einer Region sind stetigem Wandel unterworfen, das zeigt aktuell ein Insolvenzverfahren beim Marienhospital Stuttgart, dessen Zukunft in den Sternen steht.

Tagungspräsidentin Dr. Klarl und Dr. Baschin
Der Samstagmorgen wurde unter dem Vorsitz von Prof. Seufert mit einer Session eröffnet mit dem allumfassenden Thema „Was gibt es Neues in der Welt der Diabetologie“. Prof. Martin Heni vom Universitätsklinikum Ulm gab einen Überblick zu neuen Medikamenten und solchen, die sich derzeit in der Entwicklung befinden. Ein Trend ist dabei eine stärkere Wirksamkeit, längere Wirkdauer und damit seltenere Applikationen. PD Dr. Dominik Bergis vom Diabeteszentrum Mergentheim ging auf die Entwicklungen in der Diabetestechnologie ein, insbesondere auf Sensoren, Pumpen und die Loop-Technologie.
In der zweiten Session unter Leitung von Dr. Barbara Klarl erläuterte Dr. Daniel Hornuß vom Universitätsklinikum Freiburg die Bedeutung der Infektiologie in der Diabetologie und stellte die Impfempfehlungen für Menschen mit Diabetes in den verschiedenen Alters- und Risikokategorien vor. Anschließend ging Dr. Stefan Dörr vom St. Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort auf das diabetische Fußsyndrom ein und zeigte, mit welchen abgestimmten Maßnahmen diese schwerwiegende Folgeerkrankung behandelt und Amputationen vermieden werden können.
Nach der Kaffeepause konnten die Teilnehmer zwischen drei thematisch verschiedenen Industriesymposien wählen, bevor dann die beiden Workshops „GLP 1 und Pumpe“ sowie „Sexualität bei Diabetes Mellitus“ auf dem Programm standen. Diese Workshops wurden nach dem Mittagessen ein zweites Mal wiederholt, damit alle Teilnehmer die Möglichkeit hatten, sich aus erster Hand zu beiden Themen zu informieren.

v.l.n.r. Dr. Bergis, Prof. Heni, Prof. Seufert
Dank für die gute Arbeit und Einladung nach Esslingen 2027
Ihren Abschluss fand die Jahrestagung in der Mitgliederversammlung der ADBW. Der Vorsitzende Prof. Lobmann gab einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr 2025 mit 5 Vorstandssitzungen, der traditionellen Strategietagung, der Arbeit im Fachbeirat Diabetes beim Sozialministerium, dem Kongress und den Aktivitäten zum Weltdiabetestag. Die ADBW hat sich ebenfalls aktiv in die Strategietagung der DDG eingebracht und dort in weiteren Gremien mitgearbeitet. Die Fachkurse Diabetes für Pflegekräfte waren im letzten Jahr gut besucht und werden stetig weiterentwickelt, auch mit digitalen Blended Learning-Elementen. Frau Anne-Marie Schnäbele hat die Fachkurse über die viele Jahre maßgeblich organisiert, Ende des Jahres wird sie diese Aufgabe abgeben. Der Vorstand dankte ihr ganz herzlich für ihre engagierte Arbeit im Dienst der Fort- und Weiterbildung. Dr. Wolfgang Stütz präsentierte zum letzten Mal den Kassenbericht der ADBW, zum Jahresende wird er die stabilen Finanzen des Vereins an seine Nachfolgerin übergeben. Dazu finden Sie einen eigenen Beitrag in diesem Newsletter.
Tagungspräsidentin Dr. Barbara Klarl und ADBW-Vorsitzender Prof. Lobmann dankten allen Referenten für ihre Beiträge, dem Team um Petra Kreß für die hervorragende Organisation der gesamten Veranstaltung und natürlich allen Teilnehmern. Das kurze Resümee der Tagungspräsidentin finden Sie hier im Video. Schon jetzt können Sie sich auf die nächste Jahrestagung der ADBW freuen, die am 9./10. Juli 2027 im Alten Rathaus in Esslingen unter der Präsidentschaft von Dr. Stefan Gölz stattfinden wird.

Dr. Gölz lädt ein zum Kongress 2027 in Esslingen
Die ADBW dankt Dr. Stütz für mehr als 20 Jahre erfolgreicher Arbeit im Vorstand
Beim diesjährigen Kongress hat sich Dr. Wolfgang Stütz aus dem ADBW-Vorstand verabschiedet. Mehr als 20 Jahre war er ehrenamtlich tätig und hat als Kassenwart die Gelder der ADBW verwaltet. Wie gut er das gemacht hat, zeigt sich jetzt, wo er einen ausgeglichenen Vereinshaushalt und eine solide Kassenlage an seine Nachfolgerin Dr. Barbara Klarl übergeben kann, die zum Jahresende offiziell die Geschäfte übernimmt. In einem kurzen Videostatement betont Dr. Stütz, dass Geld immer nur ein Mittel war, um die inhaltliche Arbeit zur Weiterentwicklung der Diabetologie in Baden-Württemberg möglich zu machen. Hier geht’s direkt zum Video. Die ADBW ist eine der größten und aktivsten Regionalgesellschaften der DDG und pflegt engen Austausch mit Politik und Kassen, etwa im Fachbeirat Diabetes beim Sozialministerium oder beim jährlichen Weltdiabetestag. Wichtig ist auch die enge Zusammenarbeit mit der Patientenorganisation Diabetiker BaWü und die vielfältigen Angebote zur Fort- und Weiterbildung, etwa der Fachkurs Diabetes für Pflegekräfte. Der ADBW-Vorsitzende Prof. Lobmann dankte Herrn Dr. Stütz für seinen außergewöhnlichen Einsatz und wünschte ihm, dass er mit Beginn des sogenannten Ruhestandes mehr Zeit für Privatleben, Interessen und Hobbys finden möge.





















